Multifunktionsanlage
für Verpackungserfinder

Paulaner setzt auf TLM-Technik
Dasselbe Getränk anders präsentiert und schon greift ein Verbraucher zu, der sonst an der Ware vorbeigeeilt wäre. Die Brauereigruppe Paulaner in München beherzigt diese Tatsache und verpackt ihre Marken in Gebinde, die für eine zielgruppengerechte Inszenierung sorgen. Da solche Formen der Kundenansprache weiter an Bedeutung gewinnen, wurde im Frühjahr 2007 der entsprechende Teil des Maschinenparks modernisiert. Die Lösung hierzu kommt von Schubert, Crailsheim, weil die TLM-Technik der Verpackungsvielfalt keine Grenzen setzt.Die Brauereigruppe differenziert das Angebot an Gebinden bereits seit einigen Jahren immer stärker aus. Für die Behälter ihrer verschiedenen Marken und Biersorten kommen am Produktionsstandort in München, neben den klassischen Kunststoffkasten, Modulkasten und Pinolenkasten zum Einsatz. Ein Pinolenkasten enthält vier seitlich offene Sechser-Cluster. Als Shelf-Ready Angebot für den Handel gibt es diese Sixpacks im Kartontray. Eine aufmerksamkeitsstarke Gestaltungsfläche bietet der Volleinschlag von zwölf Flaschen. Zwei dieser Verpackungen können wiederum auf ein Kartontray gestellt werden. Und an ein Gebinde aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert der Kartonkorb (Truckloader) mit sechs Flaschen.
Es gab verschiede Gründe, die Anlagentechnik in diesem Produktionsabschnitt zu überdenken. Eine Investition stand ohnehin an, denn die Maschinen waren zunehmend wartungsanfällig. Aber lediglich alt gegen neu zu tauschen war nicht weitführend genug, fanden die Verantwortlichen.
Bei der Herstellung und Befüllung der Gebinde traten immer öfter technische und strukturelle Engpässe zu Tage. Die Leistung der verschiedenen Maschinen zum Füller differierte erheblich. Das führte zu Synchronisierungsproblemen und minderte den Gesamtwirkungsgrad, weil selten die volle Leistung gefahren werden konnte. Es gab eine Bindung an die Lieferanten der Kartonzuschnitte, weil die Maschinen „Alles aus einer Hand“-Lösungen waren. Dies engte nicht nur den preislichen Verhandlungsspielraum des Einkaufs ein. Es hat auch Auswirkungen auf die Gestaltung, wenn für eine Verpackungsidee nicht das optimale Material zu den besten Konditionen am Markt gewählt werden kann.
Woran es jedoch am meisten mangelte, waren die anlagentechnischen Möglichkeiten zur Verarbeitung verschiedener Verpackungsformate und unterschiedlicher Packschemata. Für die Herstellung bzw. Befüllung der verschiedenen Gebinde waren sieben Maschinen von sechs Herstellern im Einsatz – Flexibilität beim Verpacken gab es jedoch nicht.
Dabei war abzusehen, dass der Bedarf in dieser Hinsicht noch steigen wird. Gesucht war folglich eine Lösung, die nicht nur kurzfristig die Effizienz steigert, indem sie die gegenwärtigen Parameter berücksichtigt. Die neue Anlage sollte sehr viele „Freiheitsgrade“ haben, um auch den zukünftigen Anforderungen
zu genügen.
Uwe Daebel, Hauptabteilungsleiter der Abfüll- und Verpackungstechnik bei Paulaner, lud fünf Anbieter ein, ihr Konzept für diese Aufgabe zu präsentieren. Die Wahl fiel auf das Unternehmen Schubert, weil die TLM-Technik aus Crailsheim die geforderten Leistungsdaten ermöglicht und gleichzeitig dem Ideenreichtum von Vertrieb und Marketing keine Grenzen setzt. Und da ist einiges zu erwarten, denn die Paulaner sind, wie Daebel erklärt, äußerst „verpackungserfinderisch“.
Ein Problem, das die TLM-Anlage ebenfalls löst, ist die Raumnot in der Produktion. Auf 25 m ist jetzt alles untergebracht, was für die Gebindeherstellung und -befüllung notwendig ist. Die Flaschen oder Dosen laufen vierbahnig in zwei Gruppierketten in die Anlage ein, werden von einem Roboter-Paar aus den Gruppierketten entnommen und auf eine Transportkette abgesetzt. Zur Zeit sind als Behälter, je nach Biersorte und Marke, Flaschen mit 0,33, 0,355 oder 0,5 l Inhalt in verschiedenen Formen mit Kronkorken in Gebrauch. Es gibt Einweg- und Mehrwegflaschen sowie 0,5 l Dosen.
Ein weiteres Roboter-Paar entnimmt die Behälter aus der Transportkette und setzt sie auf einen Gruppiertisch. Dieser Gruppiertisch hat die Aufgabe, die Flaschen zum jeweiligen Packschema zu gruppieren. Ein drittes Roboter- Paar nimmt die Flaschen bzw. Dosen vom Gruppiertisch auf und setzt sie in die zuvor aufgerichteten Verkaufs- oder Umverpackungen ein.
Je nach Programm werden die Zuschnitte der Sechserpackmanschette, des Kartons für den Volleinschlag oder für den Korb automatisch aus einem Magazin entnommen und aufgerichtet. TLM-F2 Roboter setzen die Kartons auf Vakuumtransporteure ab, die es möglich machen, die offenen Kartons präzise in die Füllposition zu bringen. Nach dem Einsetzen der Flaschen werden die Kartons verschlossen.
Ist das weitere Verpacken in Trays oder Pinolenkasten vorgesehen, geschieht dies im hinteren Anlagenteil. Die Trays werden dazu aus einem Zuschnitt aufgerichtet, die Kunststoffkasten kommen von der Vormaschine.
Vor dem Auslaufen der Kartonverpackungen wird von einem Drucker eine entsprechende Kennzeichnung aufgebracht. Sollen die Trays abschließend umschrumpft werden, dann werden sie einer nachgeschalteten Schrumpfmaschine übergeben. Palettiert werden die Produkte, egal ob in der Kiste oder einem Einweggebinde zusammengefasst, auf der Euro- oder Industrie-Palette.
Der Kern für die Flexibilität der TLM-Technik-Lösung liegt in der VMS-Steuerung von Schubert, die es möglich macht, dass die Aufgaben nicht nur über die Mechanik, sondern größten Teils über die Software gelöst werden.
Die Umstellung der Anlage auf neue Flaschenformen, Verpackungsarten oder Packschemata funktioniert problemlos über die Eingabe neuer Parameter und dem Austausch von Formatwerkzeugen. Verschiedene Werkzeuge, mit denen die Roboter ausgestattet werden, sorgen für die nötige „Griffsicherheit“.
Die Verpackungslinie von Schubert ist in das Linienmanagementsystem der Gesamtanlage integriert. Die Einbindung erfolgt über optische Busse. Die zentrale Einheit für die Steuerung, Überwachung und Dokumentation der Prozesse fungiert als „virtueller Mitarbeiter“, der alle Schritte vom Abfüllen bis zum Palettieren im Auge behält, Fehler meldet und die richtigen Anweisungen gibt, wie zum Beispiel, welches Etikett mit welchem Mindesthaltbarkeitsdatum bei der aktuellen Charge anzubringen ist.
Im Frühjahr 2007 zur Zeit des Starkbierfestes ging die neue TLM-Verpackungsanlage in Betrieb. Dass dies ein besonderer Auftrag gewesen ist, wurde Matthias Koch, der das Projekt bei Schubert leitete, bei diesem Anlass noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt. Denn zum Start der Verpackungslinie waren auch Mönche vom „Orden der Mindesten Brüder“ aus Süditalien anwesend. Die Anfänge von Paulaner sind nämlich – wie so oft bei traditionsreichen Brauereien – auf eine Klostergemeinschaft vor Ort zurückzuführen. Und da diese Verbindung noch heute besteht, hat ein Priester des Ordens die Anlage gesegnet.
Die Verpackungslinie ist im Dreischichtbetrieb an sechs Tagen die Woche im Einsatz. Pro Stunde sind bis zu 46.000 Flaschen zu verarbeiten. Die Erfahrungswerte nach fast einem Jahr zeigen, dass die Anlage von Schubert den hohen Leistungsstandard erfüllt. Wichtig für die Effizienz der Gesamtanlage ist es auch, dass die anvisierten Werte auch bei kleinen Verpackungseinheiten erreicht werden. Für Paulaner als Markenartikler ist die Erscheinung seiner Verpackung wichtig und da hat Schubert ebenfalls Qualität bewiesen: die Verpackungen sind exakt gefaltet und geklebt und die Produkte werden schonend behandelt. Jede erste Verpackung nach einer Formatumstellung ist bereits eine Verkaufsverpackung. Nach anfänglichem Fremdeln des Bedienpersonals sind die Mitarbeiter gerne an der Maschine eingeteilt – Robotertechnik, richtig verstanden, ist eben nicht umständlich und kompliziert, sondern besonders einfach für den Anwender.
Die Projektverantwortlichen bei Paulaner sind froh darüber, sich für die TLM-Verpackungsanlage entschieden zu haben. Sie loben die kurzen Entscheidungswege bei Schubert und vor allem die hohe Einsatzbereitschaft und Kompetenz der Monteure Thomas Köhnlein, Jochen Kühnle und Andreas Rosenäcker. „Wir haben auf deutlich weniger Raum langfristig Verpackungsfreiheit gewonnen – damit sind wir für die zukünftigen Marktanforderungen bestens gerüstet.“
Mehr Info unter:
Gerhard Schubert GmbH
Verpackungsmaschinen
74564 Crailsheim
www.gerhard-schubert.de
INFO
Die Paulaner Brauereigruppe ist mit einem Gesamtabsatz von 2,6 Mio. hl Bier eine der bedeutendsten Brauereigruppen Deutschlands. Sie ist das strategische Dach, das bekannte hochwertige Markenbiere wie Paulaner, Hacker-Pschorr, Thurn und Taxis, AuerBräu und Hopf verbindet und gleichzeitig gezielt deren Eigenständigkeit und Wettbewerbsfähigkeit steuert. Bier braucht Heimat und jede der starken Marken besitzt ihr unverwechselbares Profil und ein differenziertes Verbreitungsgebiet. Ob national begehrtes Paulaner Weißbier, in Bayern beliebtes Hacker-Pschorr, Münchner Hell und Hopf Weißbier, in der Region Oberpfalz bevorzugtes Thurn und Taxis Pils oder im Oberbayerischen Chiemgau beheimatete Bier-Spezialitäten der AuerBräu AG.
