Nanotechnologie
(Bg) Seit einiger Zeit wird die Nanotechnologie in verschiedenen Anwendungsbereichen eingesetzt. Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff für physikalische, chemische und biologische Technologien, bei denen sogenannte Nanomaterialien eingesetzt werden. Diese Partikel (Komposite, Agglomerate oder Aggregate) können aus einem Verbund von wenigen bis einigen Tausend Atomen oder Molekülen bestehen, deren Dimensionen unter 100 Nanometer liegen (1nm=10-9 m=0,000000001m). Aus der Verwendung von Nanomaterialien können sich veränderte physikalische (z.B. Leitfähigkeit, Farbe, Dichte), chemische-physikalische (Reaktionsfähigkeit, Löslichkeit) oder biologische (z.B. Diffusionseigenschaften) Eigenschaften ergeben. So hat sich die Nanatechnologie bei der Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit von Textilien und Leder (Schmutz abweisend), bei Beschichtungen (z.B. Sanitärbereich, Wasser abweisend, „Lotus-Effekt) und bei Sonnenschutzmitteln und Kosmetika (z.B. UV-Schutz) bewährt.Ein Einsatz bei Bedarfsgegenständen, die mit Lebensmittel in Berührung kommen, ist ebenso denkbar, wie der Einsatz von Nanoteilchen bei Lebensmitteln selbst. So sollen Nanoteilchen die Bioverfügbarkeit erhöhen und das Aussehen, die Konsistenz und den Geschmack verändern, die Textur bei Speiseeis mit niedrigem Fettgehalt verbessern, als Mikrosiebe zur Entfernung von Bakterien eingesetzt die Pasteurisation ersetzen und Doppelemulsionen (Öltröpfchen, die im Innern Wasser enthalten) ermöglichen. Während in Japan bereits Produkte mit Nano-Gold, Nano-Calcium, Nano-Platin (Joghurt) und Nano-Platin (Drinks) gehandelt werden, sind innerhalb der EU Lebensmittel mit Nanoteilchen als Zusatzstoffe noch nicht im Verkehr. Sie bedürften gem. der Verordnung (EG) Nr. 258/97 vom 27.1.1997 über neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten der Zulassung, da es sich um neuartige Lebensmittelzutaten mit neuer oder gezielt modifizierter primärer Molekularstruktur handelt bzw. weil bei der Herstellung ein nicht übliches Verfahren angewandt worden ist und bei denen dieses Verfahren eine bedeutende Veränderung ihrer Zusammensetzung oder der Struktur des Lebensmittel oder der Lebensmittelzutat bewirkt hat, was sich auf ihren Nährwert, ihren Stoffwechsel oder auf die Menge unerwünschter Stoffe im Lebensmittel auswirkt. Selbstverständlich müsste im Einzelfall überprüft werden, ob diese Definitionen für die Lebensmittelzutat oder das Lebensmittel zutreffen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine Befragung von 30 Verbrauchern durchführen lassen, um herauszufinden, welche Einstellungen die Verbraucher zur Nanotechnologie haben und welches Image sie besitzt. Danach wird die Nanotechnologie weniger nach den Fakten sondern vielmehr nach emotionalen Kriterien beurteilt. Eine repräsentative Befragung von 1.000 Verbrauchern ergab, dass sich 66% mehr Nutzen als Risiken versprechen, jedoch die Technologie nicht in allen Anwendungsbereichen gleichermaßen akzeptieren wollen. Am meisten verspricht man sich vom Einsatz im medizinischen Bereich. Bei Lacken und Farben, deren Kratz- und Abriebfestigkeit erhöht werden könnte, ergab sich eine Akzeptanz von immerhin 86%. Ähnlich hoch war sie bei Textilien, die durch Nanotechnologie Schmutz abweisend werden können. Bei Kosmetika liegt die Befürwortung nur noch bei 53%. Mehrheitlich abgelehnt wird diese Technologie allerdings bei Lebensmitteln. 69% lehnen einen Zusatz von Nanoteilchen, die das Verklumpen von Gewürzen verhindern würden, ab. 84% möchten keine Lebensmittel, die durch den Einsatz von Nanoteilchen länger ansehnlich bleiben. Es bedarf sicher noch ein gerüttelt Maß an Information, um die Skepsis der Verbraucher zu minimieren.
Weitere Einzelheiten unter:
www.bfr.bund.de/cm/238/wahrnehmung_nanotechnologie_in_der_bevoelkerung.pdf